Plastikverpackung fürs Magazin – Teil 1: So schlecht wie ihr Ruf?

Warum verpackt man Print-Magazine immer noch in Plastikfolie? Gibt es nicht ökologisch wesentlich sinnvollere Alternativen? Oder ist die Folie vielleicht sogar besser als ihr Ruf?

Als im Juni 2018 öffentlich wurde, dass der Schweizer WWF sein Print-Magazin in Plastikfolie eingeschweißt verschickt, gingen die Wogen hoch. Das in den Medien abgedruckte Cover – ein Bild vom Sterben der Gletscher, sorgfältig in Polyethylen gehüllt – erregte die Gemüter. Der global agierende Umweltverband musste sich öffentlich erklären.

Ein ähnlicher Fall betraf das Tauchermagazin „Nereus“. Auch hier wurde einer ökologisch sensibilisierten Zielgruppe das abonnierte Magazin in Folie zugesandt. Mehrere Leser meldeten sich daraufhin erbost zu Wort: Da sehe man als Taucher ständig den ganzen Plastikmüll im Meer schwimmen, und dann werde eine Zeitschrift im Jahr 2019 immer noch in Plastik verpackt. Das sei doch „ökologischer Blödsinn“, hieß es. Aber ist es das tatsächlich? „Ökologischer Blödsinn“? Sollte man die Plastikhülle vielleicht verbieten, wie das auch für das Plastiksackerl gefordert wird?

Leicht, reiß- und wasserfest
Eine erste Umfrage unter unseren Partner-Druckereien bestätigt: Die meisten Zeitschriften werden auf Wunsch der produzierenden Verlage immer noch in Folie verpackt. Warum, ist schnell erklärt: Das Material ist leicht, reißfest und außerdem wasser- und chemikalienbeständig. Außerdem ist die Folie durchsichtig, was den Vorteil mit sich bringt, dass das Cover des Magazins für den Konsumenten auf den ersten Blick sichtbar ist. Und: der erste Eindruck entscheidet. Steckt man das Magazin in ein Kuvert, besteht das Risiko, dass es der Kunde (im ungeöffneten Kuvert) wegwirft, ohne das Cover, das Aushängeschild des Produkts, mit seinen optischen Reizen und textlichen Anreißern überhaupt wahrgenommen zu haben. Und last but not least: Folien sind leichter als Papier, was den Versand deutlich billiger macht.

Erdöl und Müll
Nun braucht aber eine Druckerei, die auf den Druck von Magazinen spezialisiert ist, schon einige Tonnen Kunststoff pro Jahr, wie unsere Recherche ergeben hat. Und der Rohstoff, der der Produktion von Folien aus Polyethylen zugrunde liegt, ist Erdöl, also eine endliche Ressource. Angesichts der weltweiten Erdölverknappung steht das zu Recht in der Kritik. Dazu kommt das Müllproblem. Allein in Österreich sind es laut Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus rund 900.000 Tonnen im Jahr.

Ist Papier die Lösung?
Gemessen am schlechten Ruf, der Plastik vorauseilt, wäre man versucht, Papier als in jeder Hinsicht umweltfreundlicher einzustufen. Dem ist aber nicht so: Für die Herstellung von Papier-Kuverts wird fast doppelt so viel Energie benötigt wie für die Produktion von Plastikfolien. Hinzu kommt die deutlich höhere Belastung von Luft und Wasser durch Stickoxide, Schwefeldioxide und andere Chemikalien, mit denen die Zellstofffasern behandelt werden müssen.



Nur verpackungsfrei ist besser

Laut Untersuchungen der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa – LINK: www.empa.ch) ist die Energiebilanz bei Plastikfolien um 20 Pozent besser als bei Papier-Kuverts. Einzig der verpackungsfreie, damit allerdings auch ungeschützte Versand von Zeitschriften, also nur mit aufgedruckter Adresse bzw. Etikette, schneidet ökologisch besser ab.

Die perfekte Verpackung gibt es nicht
Klingt erst einmal nach einem deutlichen Sieg für die Plastikfolie. Sollte sie tatsächlich die ökologisch verträglichste Verpackung von Printmagazinen sein? Wir fragen bei Silvia Apprich, Studiengangsleiterin Verpackungstechnologie, Packaging Technology and Sustainability am FH Campus Wien, nach. Die perfekte Verpackung gebe es nicht, sagt sie. „Man muss sich Verpackungslösungen immer im Einzelfall anschauen. Wir arbeiten deshalb viel mit Lebenszyklusanalysen“, so Apprich. Entscheidend sei nicht nur die Herstellung und Verwendung des Materials, sondern auch, ob und wenn ja wie oft es wiederverwertet wird und wie es nach einer etwaigen Wiederverwertung entsorgt wird.

Wie es mit der Wiederverwertung und Entsorgung von Plastik aussieht und ob Folien aus Bio-Kunststoff vielleicht die Lösung sind, lesen Sie in unserem nächsten Blogbeitrag.

. . . . . . . . . . . . . . . . . .

Das könnte Sie auch interessieren: