„Der Newsroom hat eine Katalysatorfunktion“

Von der Marketing- zur Content-Orientierung: Astrid Salmhofer baut die Unternehmenskommunikation von Wien Energie um und einen Newsroom auf.

Sie war jahrelang die Sprecherin von Bundespräsident Heinz Fischer, dann auch jene seines Nachfolgers Alexander Van der Bellen. Seit Oktober 2017 leitet die Steirerin Astrid Salmhofer die Unternehmenskommunikation von Wien Energie. Die Gasexplosion in Baumgarten wenige Wochen später war für sie ein „Schlüsselerlebnis“, sagt sie: „In der Politik war ich es gewohnt, sehr schnell und flexibel zu reagieren. Die umständlichen Abstimmungsprozesse im Unternehmen haben mir gezeigt: Wir müssen sehr viel schneller werden.“ Einen wesentlichen Akzent hat sie bei Wien Energie bereits gesetzt: In den nächsten Monaten führt sie einen Newsroom ein.

Wie geht es Ihnen mit dem Newsroom? Sitzen Sie jetzt alle an einem großen Tisch?
Astrid Salmhofer: In ein paar Monaten ziehen wir in neue Räumlichkeiten, dann werden wir das Newsroom-Konzept tatsächlich auch architektonisch verwirklicht haben. Bis jetzt haben sich vor allem die Prozesse geändert: Wir setzen uns zwei- bis dreimal die Woche zusammen, um die Nachrichtenlage und anstehenden Themen zu besprechen. Ich bin davon überzeugt, dass heutzutage jedes Unternehmen wie ein Medienhaus agieren, also Themen systematisch planen und nach außen spielen muss. Aber auch außerhalb der offiziellen Meetings reden die Kollegen viel miteinander. Der Newsroom hat eine Katalysatorfunktion: Wir tauschen uns intensiver aus, wir kommunizieren noch offener.

Haben sich die Themen in der Kommunikation geändert?
Salmhofer: Ja, wir achten viel stärker auf Themen außerhalb des Unternehmens und reagieren auf sie. Wir sind aktiver und tagesaktueller als früher. Wenn zum Beispiel eine Konferenz zur E-Mobilität stattfindet, dann überlegen wir uns: Was können wir dazu machen? Wien Energie hat ja sehr viele Anknüpfungspunkte mit der Welt „da draußen“: Wir liefern nicht nur Strom und Gas, sondern gestalten die Zukunft des Energiesystems mit, beschäftigen uns mit Themen wie der Blockchain, sorgen für Versorgungssicherheit. Wir reden nicht nur über den Strom- oder Gaspreis, sondern über Inhalte, die für die ganze Gesellschaft relevant sind.

Wie ist die Aufgabenverteilung im Newsroom organisiert?
Salmhofer: Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter im Team ist für bestimmte Themen zuständig. Wenn zum Beispiel jemand die E-Mobilität verantwortet, dann überlegt er sich, wann welche Geschichten in welcher Form und auf welchen Kanälen sinnvoll sind, welches Bild- und Videomaterial wir erstellen können. Er denkt also integriert und hat die Vielzahl an Kanälen und Formaten im Blick.

Wer entscheidet, wann welches Thema kommuniziert wird?
Salmhofer: Das macht der/die Chef/in vom Dienst. Das ist eine neue Funktion, die von den Mitarbeitern wechselweise ausgeübt wird. Er oder sie moderiert die Newsroom-Meetings und trifft die Letztentscheidung, ob eine bestimmte Geschichte veröffentlicht wird. Er achtet auf den passenden Themenmix und den Veröffentlichungsrhythmus.

Haben Sie weitere neue Funktionen eingeführt?
Salmhofer: Ich möchte die Expertise für Digitalkommunikation, Video und Social Media stark ausbauen. Erst kürzlich haben wir einen neuen Mitarbeiter eingestellt, der Profi dafür ist. Am wichtigsten ist meiner Meinung nach aber, dass wir in Zukunft möglichst viele Kollegen im Unternehmen einbeziehen wollen. Reine Top-down-Kommunikation funktioniert in der digitalen Welt nicht mehr. Wir versuchen, Mitarbeiter aus anderen Abteilungen – zum Beispiel Expertinnen und Experten für Blockchain oder Chatbots – zu ermutigen, sich mit den neuen Kommunikationskanälen auseinanderzusetzen beziehungsweise ihr Engagement zu verstärken. Auch hier stoßen wir gerade einen Kulturwandel an, wir senden ganz klare Signale an alle Mitarbeiter: Es ist gut, wenn ihr über das redet, was ihr bei Wien Energie macht.

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Mag. Gerhard Mészáros, MA
Mag. Gerhard Mészáros, MA
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