Gruppe von Menschen, CEO im Vordergrund

Der CEO als krisenfester Kommunikator

„Die Story macht den Unterschied. Und zwar immer“, sagt Markus Resch. Als Journalist hat er für das ZDF mehrere Tausend Stunden Programm verantwortet und regelmäßig Millionen von Zuschauern erreicht. Heute bringt er Führungskräften bei, wie sie vor Kameras, Publikum und erst recht in der Krise bestehen. Im Interview verrät er, wie wichtig die innere Haltung für den gelungenen Auftritt ist und weshalb wir das letzte Quäntchen Lampenfieber niemals wegtrainieren sollten.

Was veranlasst einen investigativen Journalisten wie Sie, in die Beraterbranche zu wechseln?
Markus Resch: Die beiden Berufe sind gar nicht so unterschiedlich. In beiden Tätigkeiten geht es darum, Komplexität verständlich zu machen. Wenn ich als Journalist lange und umfangreich zu einem Thema recherchiert habe, dann weiß ich im besten Fall eine ganze Menge über das Thema. Das kann ich in dieser Komplexität unmöglich dem Zuschauer erzählen. Das würde keiner verstehen. Also muss ich Komplexität reduzieren und eine spannende Geschichte daraus machen. Das ist letztlich Storytelling. Jeder, der behauptet, Journalisten würden aus ihren Recherchen keine „gute Story“ machen, der lügt. Und das mit der Story geht meinen Kunden heute nicht anders. Ein CEO weiß eine ganze Menge über sein Unternehmen. Wenn er aber in den Nachrichten nur 20 Sekunden hat, dann muss er die mediengerechte Reduktion von Komplexität beherrschen, seine ganz persönliche „Excellence in Storytelling“. Damit er in der medialen Öffentlichkeit Erfolg hat.

An Sie wendet man sich vor allem auch, wenn kommunikationstechnisch „der Hut brennt". Wie sieht das Procedere aus, wenn Sie in einer akuten Krisensituation kontaktiert werden?
Markus Resch: Im besten Fall weiß ein Unternehmen, dass man eine Krise dann am besten meistern kann, wenn man schon bei ruhiger See darüber nachdenkt, Krisenszenarien durchspielt und Verantwortlichkeiten definiert. Dazu gehört auch die Festlegung: Wer geht im Krisenfall vor die Kamera! Und diese Person sollte in ruhigen Zeiten auf den Sturm vorbereitet werden. Das ist der beste Fall. Natürlich – und da sind Unternehmen in ihrem Verhalten ganz menschlich – schiebt man die Gedanken an eine Krise weit weg. Und reagiert erst, wenn es schon ziemlich stürmisch ist. Entscheidend sind dann, zumindest in der medialen Öffentlichkeit, nicht die juristischen Argumente. Sondern die innere Haltung, mit der sich ein Unternehmen in der Öffentlichkeit präsentiert. Wenn man mit verschränkten Armen jede Verantwortung von sich weist, dann ist die Schlacht schnell verloren. Die innere Haltung macht den Unterschied. Und da setze ich in der Zusammenarbeit mit einem Unternehmen in der Krise an. Aus der inneren Haltung resultiert Rhetorik. Und aus der fundierten Rhetorik eine starke Überzeugungskraft.

Wie wird in Ihren Medientrainings an einer individuellen rhetorischen Strategie gearbeitet?
Markus Resch: Viele denken ja, wenn Sie ein Medientraining buchen, da kommt dann so ein Trainer und der erzählt mir, wie ich richtig stehen soll und was ich am besten mit den Händen mache. Die Ergebnisse solcher Medientrainings kann man im Fernsehen sehen. Da wirken die Interviewpartner eher wie eine Marionette als wie ein CEO. In unserem Medientraining fangen wir bei den Inhalten an. Zu welchen Themen muss der Kunde 24 Stunden am Tag – selbst in der Nacht, wenn das Telefon läutet – souverän, sicher und überzeugend sprechbereit sein. Welche Themen muss er einfach aus dem Effeff auf der Pfanne haben. Wenn diese Themen feststehen, erarbeiten wir uns eine innere Haltung dazu. Viele Themen sind kritisch. Da fühlt man sich als CEO schnell als Getriebener. Dann wirkt auch die Antwort getrieben. Dieses Gefühl müssen wir umkehren. Daraus entstehen Sicherheit und Souveränität. Und wenn dann noch rhetorisches Rüstzeug und ganz viel Training dazukommen, dann ist die Frage, was ich mit den Händen machen soll, kein Thema mehr. Dann fühlen sich unsere Kunden sicher. Dann entsteht Excellence in Storytelling. Und so exzellent wirken unsere Kunden dann auch.



Sie bieten einen Rhetorik-Check an, das ist ein mittels künstlicher Intelligenz erstellter Test, eine Art rhetorisches Röntgenbild, das hilft, die eigenen Defizite zu erkennen. Können Sie uns etwas über die Anwendung dieses Hilfsmittels erzählen?
Markus Resch: Unsere Sprache ist ein Geschenk. Sie ermöglicht uns alles. Liebe, Hass, Versöhnung, Erfolg. Die Sprache ist ein mächtiges Wirkinstrument. Und dafür gehen wir eigentlich sehr unbewusst damit um. Oder? Wer hat sich schon mal bewusst Gedanken gemacht, wie seine Sprache wirkt? Und genau das machen wir mit dem Rhetorik-Check. Wir analysieren 500.000 Parameter der ganz individuellen Sprache eines Menschen. Und stellen zum Beispiel fest, dass bei vielen Managern die Sprache sehr autoritär wirkt. Das ist ja nicht schlecht. Damit sind diese Menschen ja was geworden. Das wollen wir auch nicht ändern. Der Test zeigt dann aber beispielsweise auch, dass die Sprache zugleich sehr wenig beziehungsorientiert und sehr wenig charismatisch ist. Das ist schade. Da verschenkt der Manager Wirkung. Wenn man das weiß, dann kann man ganz bewusst daran arbeiten. Das macht auch keine Mühe. Die Stellschrauben sind klein. Aber ihre Wirkung ist groß. Daraus entsteht Exzellenz.



Wie viel Talent, wie viel Training mit Leuten wie Ihnen steckt dahinter, wenn man rhetorische Technik so beherrschen will, dass sie intuitiv wirkt?
Markus Resch: Wichtiger als das Talent ist das Interesse, besser zu werden. Und das zeichnet die Besten unter den Guten ja aus: Dass sie immer besser werden wollen. Wenn man mit dieser Offenheit an sich arbeitet, dann sind die Erfolge schnell sichtbar. Die Besten sind deswegen ganz oben, weil sie das Interesse an der eigenen Entwicklung niemals aufgegeben haben.

Was muss man aus Unternehmenssicht berücksichtigen, damit ein wichtiges Interview zur Chance und nicht zum Risiko wird?
Markus Resch: Man muss verstehen, dass man mit der eigenen Sicht der Dinge, mit dem Beherrschen der eigenen Komplexität in den Medien nicht überzeugen kann.In den vielen Interviews, die ich als Journalist geführt habe, sind die meisten Interviewpartner daran gescheitert, dass sie dachten: Ich weiß sowieso alles! Das ist doch mein Unternehmen! Der kann mich fragen, was er will! Ich habe auf alles eine Antwort! Doch das Interview ist keine Prüfungssituation. Es geht nicht um das korrekte Beantworten von Fragen. Sondern darum, die Chance des Interviews zu nutzen, um seine Botschaften zu senden. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass man mit der Reproduktion von Komplexität wahrscheinlich alle akademischen Prüfungen seines Lebens mit Bravour bestanden hat. Dass es nun aber auch darum geht, das Gegenüber mit Storys zu fesseln und zu überzeugen. Dass man mit Storytelling gewinnt – und nicht mit Fakten allein.

Ist nicht die persönliche Eitelkeit das noch größere Hindernis, das es für jemanden wie Sie aus dem Weg zu räumen gilt?
Markus Resch: Wenn Eitelkeit verhindert, besser zu werden, steht sie dem Erfolg im Weg. Wer den ehrlichen Wunsch verspürt, besser werden zu wollen, und offen daran arbeitet, gewinnt.



Ein Beispiel aus Ihrem Blog: 1.600 Menschen werden entlassen. Und das Management kommuniziert: „Wir wollen sozialverträgliche Lösungen.“ Ein No-Go, sagen Sie. Wie aber kommuniziert man Kündigungen richtig?
Markus Resch: Zunächst mal geht es darum, verantwortlich zu kommunizieren. Dass man zum Beispiel bereits mit Unternehmen in der Umgebung gesprochen hat und dort Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Storytelling braucht Inhalte. Wenn das Wort „sozialverträglich“ keine Inhalte hat, dann ist und bleibt es ein Feigenblatt. Das Wort beruhigt keinen Mitarbeiter. Sondern höchstens den mittelmäßigen Entscheider, der sich damit in die eigene Tasche lügt, dass er alles nur Mögliche unternommen hat. Und selbst wenn der abgebrühteste Entscheider sagt, was soll ich mir da noch Mühe geben, die sind doch sowieso alle weg – dem sage ich eines: Mit allem, was er in solchen Situationen kommuniziert, kommuniziert er immer auch mit den Mitarbeitern, die bleiben. Und die wollen eine starke, souveräne und glaubwürdige Führungskraft. Nur dann bekommt er gemeinsam mit dem Team den notwendigen Change hin. Insofern – und das ist für viele die große Erkenntnis – kommunizieren sie immer auch im ureigenen Interesse. Schon deswegen sollte man an der eigene Excellence in Storytelling arbeiten. 

Dass Annegret Kramp-Karrenbauer das Rennen um den CDU-Bundesvorsitz für sich entschieden hat, läge daran, sagen Sie, dass sie in ihrer Rede ein Rezept beherzigt habe, das „einfach und 2000 Jahre alt“ ist: „Ethos. Pathos. Logos. Man muss es nur genauso machen …“ Klingt einfach, aber ist es das tatsächlich?
Markus Resch: Ist das Balancieren auf dem Seil einfach? Für den, der es kann, schon! Also: Es ist immer eine Frage des Wollens. Und wenn man etwas wirklich will, dann kann man es auch. Und wenn man es kann, dann macht es richtig Spaß. Weil man Erfolg damit hat. Aber auch der Seiltänzer hat das nicht nur einmal gelernt und kann es dann für sein Leben. Der übt und trainiert regelmäßig. Das sollten Führungskräfte auch. Und die Besten machen das so. Die trainieren regelmäßig mit uns. Rhetorik ist ein Muskel, der regelmäßig trainiert sein sollte. Und selbst dann hat der Seiltänzer vor jedem Aufritt ein klein wenig Lampenfieber. Das gehört dazu. Das ist der Treibstoff für den besten Auftritt.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Markus Resch war über zehn Jahre Redakteur und Reporter für das ZDF, unter anderem bei WISO. Er hat Filme für heute und heute-journal realisiert. Mit seinen investigativen Recherchen hat er so manchen Manager vor der Kamera ins Schwitzen gebracht. Heute betreibt er gemeinsam mit Udo von Kampen Executive Coachings und Medientraining und sorgt mit seiner journalistischen Expertise, ergänzt um strategische Rhetorik und angewandte Dialektik, dafür, dass Führungskräften dieses Schwitzen erspart bleibt. www.vankampen-resch.de

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