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Houston, we have a problem

Mit Jubelmeldungen ohne Ecken und Kanten kann Storytelling nicht gelingen. Niemand würde sich heute noch an Apollo 13 erinnern, hätte es keine technischen Probleme gegeben.

Als John F. Kennedy 1962 durch das NASA Space Center spazierte, traf er auf einen Mitarbeiter, der mit Kübel und Besen über den Gang lief. „Was tun Sie hier?“, fragte der Präsident. „Ich helfe, den Menschen auf den Mond zu bringen“, antwortete die Reinigungskraft. Damit, dass er sich als Teil der großen NASA-Mission der 60er-Jahre fühlte, hatte der Mann seinem Job einen wesentlich wichtigeren Sinn gegeben, als nur irgendwelche Korridore sauber zu halten.

Blick auf das große Ganze
Heute weiß man, dass für einen modernen, selbstverantwortlichen Arbeitsstil Sinnstiftung ein entscheidender Faktor ist. Es genügt nicht, die Arbeitsschritte im eigenen Bereich zu kennen, die Arbeitnehmerin und der Arbeitnehmer müssen auch wissen, wie sie damit zum großen Ganzen beitragen. Sie müssen also die Unternehmensvision kennen und vor allem mittragen. Ein solches Wir-Gefühl zu implementieren, läuft nur zu einem kleinen Teil über den Intellekt, zu einem viel größeren aber über die Emotion.

Denken Sie radikal um!
Interne Kommunikation darf sich daher nicht auf das Informieren beschränken. Es braucht packende Geschichten, die Involvement erzeugen. Nun mögen die Herstellung von Maschinen zur Tierfuttermittelerzeugung oder der IT-Support für KMU nicht ganz so aufregend sein wie die Raumfahrt. An einem Mangel an Erzählenswertem liegt es aber nicht, dass Storytelling in der Unternehmenskommunikation immer noch eher Schlagwort als gelebte Praxis ist. Es liegt daran, dass dafür ein radikales Umdenken in den Unternehmen nötig ist. Sie müssen aufhören, ausschließlich Jubelmeldungen zu bringen und Schwierigkeiten unter den Teppich zu kehren. Geschichten sind nämlich nur spannend, wenn auch das Scheitern eine Option ist. Nur so nämlich wird das Happy End unvergesslich – wie bei der Mission Apollo 13, die ohne technische Probleme wohl keine Weltraumgeschichte geschrieben hätte.

Dieser Beitrag erschien, in leicht adaptierter Form, erstmals im Hernsteiner“ Ausgabe 3/2016


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