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Wie Sie Ihren Geschichten das gewisse Etwas verpassen

Kürzlich habe ich am Workshop „Kreatives Schreiben“ des Kuratoriums für Journalistenausbildung in Wien teilgenommen, der mich sehr inspiriert hat. Die Vortragende Amelie Gräf war nicht nur unheimlich sympathisch, sie hat uns auch viele praktische Tipps mit auf den Weg gegeben, wie wir unsere Texte besser machen können.

#1 „Konvention beschädigt unsere Texte“
Was muss ein Text können? Überraschen, inspirieren und begeistern, sonst wird er nicht gelesen. Das erreichen Sie sicher nicht mit dem üblichen Branchen-Blabla und erwartbaren PR-Floskeln. Lassen Sie Ihre Gedanken von der Leine, überlegen Sie sich einen frischen, spannenden Zugang zur Geschichte und vor allem: Haben Sie Spaß beim Schreiben! Klingt logisch, aber wenn man den ganzen Tag textet, vergisst man nur allzu leicht darauf.

#2 „Wir müssen das Konkrete adeln“
Konkretion ist das Geheimnis spannender Texte. Es ist immer leichter, einen Sachverhalt, eine These oder eine Situation zu verstehen, wenn sie anhand eines Beispiels erklärt wird. Während beim wissenschaftlichen Arbeiten vom Allgemeinen aufs Spezielle geschlossen wird, sollten Sie es in Ihren Texten umgekehrt versuchen. Steigen Sie mit einem konkreten Beispiel ein: Das interessiert die Leser und macht Ihre Inhalte nachvollziehbar. Davon ausgehend schließen Sie dann auf das größere Ganze. Man nennt das Induktion. Schon Aristoteles hat das so gemacht.

#3 „Zeigen Sie Widersprüche auf“
Den Leser interessiert das Durchschnittliche und Erwartbare nicht. Seine Aufmerksamkeit erregen Sie mit Spannungen und allem, was außerhalb der Norm liegt. Denken Sie daher bei der Planung Ihres Textes immer zuerst darüber nach, wo die Widersprüche in der Geschichte zu finden sind. Wo hat eine Persönlichkeit Ecken und Kanten? Welche Eigenschaft hebt ein Produkt von der Masse ab? Und was ist so überraschend, dass man einfach weiterlesen muss? Um das herauszufinden, bietet sich die Mindmapping-Technik an. Aber: Bitte immer brainstormen, bevor Sie zu schreiben beginnen!

#4 „Der Leser muss sich gemeint fühlen“
Unser größtes Problem ist, dass wir unseren Leser beim Texten nicht vor Augen haben. Wir ignorieren ihn einfach. Stattdessen denken wir permanent an unseren Arbeitgeber: Welche Botschaften müssen wir für ihn transportieren? Mag er diesen Absatz? Und haben wir ihn auch in dieser Geschichte ausreichend gelobt? Hören Sie damit auf! Viel wichtiger ist es, dass Sie den Leser im Auge behalten. Denn nur dann, wenn er den Text auch wirklich zu Ende liest, hat auch Ihr Arbeitgeber etwas davon.

Ein Tipp: Je konkreter Sie sich Ihren Leser beim Schreiben vorstellen, desto zielgruppenorientierter werden Ihre Texte. Eine sinnvolle Methode, die Ihnen dabei hilft, ist die Entwicklung von Personae. Wie das geht, lesen Sie in unserem Blogbeitrag „Wie gut kennen Sie Ihre Zielgruppe?“.

#5 „Zuerst schreiben, dann redigieren“
Ich beschäftige mich den ganzen Tag mit Texten – aber diese Nachricht war wie eine Erleuchtung für mich. Sie kennen das doch auch: Sie basteln und fitzeln an jedem Satz so lange herum, bis er perfekt sitzt und passt – und so steif ist, dass es keinen Spaß mehr macht, ihn zu lesen. Noch dazu haben Sie so vielleicht lauter kleine Satzkunststücke gebaut – die aber nichts miteinander zu tun haben. Es fehlt der rote Faden. Besser, Sie machen es so: Schreiben Sie den Text flüssig herunter, er muss nicht gleich perfekt sein. Erst danach beginnen Sie zu redigieren. Probieren Sie es aus, Sie werden über das Ergebnis staunen – und sehr viel Zeit sparen.

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Amelie Gräf ist seit 30 Jahren in der Journalistenausbildung tätig. Sie unterrichtet als Schreibtrainerin in Journalistenschulen u. a. in Hamburg, Salzburg und in Luzern, aber auch in Verlagen und Redaktionen, inzwischen vor allem kreatives Schreiben. Und sie coacht Schreibprofis. Davor war sie zehn Jahre lang freie Journalistin für Hörfunk, Fernsehen und Zeitung. Amelie Gräf lebt im Hamburger Stadtteil Eppendorf.


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