Die kreative Alternative zu Fotos: Illustrationen im Magazin

Claudia Meitert hat für Egger & Lerch das Iventa-Kundenmagazin SKILLS mit großflächigen Illustrationen verschönert. Im Interview erzählte sie, wie sie dabei vorgegangen ist, warum sie Stift und Papier so liebt und was sie tut, wenn sie in einem Kreativitätsloch feststeckt.

Wenn ich an eine Illustratorin denke, fallen mir zuallererst die Begriffe „zeichnen“ und „kreativ“ ein. Reicht eine ausgeprägte Begabung, um den Beruf auszuüben?
Illustratoren brauchen auf jeden Fall Talent, aber auch viel Übung und eine gute Ausbildung. Denn Ideen lassen sich nur in Illustrationen umsetzen, wenn Hand und Auge geschult sind. Ich habe während und nach meinem Studium viele Skizzenbücher vollgezeichnet und alles Mögliche ausprobiert. Mein Ziel war es stets, das wiedergeben zu können, was ich sehe und wahrnehme. Dazu braucht man das nötige Handwerkszeug.

Sie kommen doch aber sicher nicht ganz ohne digitale Bearbeitung aus?
Nein, aber sie steht erst am Ende meines Arbeitsprozesses. Ich bewege mich zunächst lange auf Papier. Das erlaubt mir, Sachen auszuprobieren – unabhängig vom Ort, an dem ich mich befinde, und technischen Einschränkungen. Hilfreich ist die digitale Bearbeitung vor allem im redaktionellen Bereich, wenn beispielsweise eine Headline länger wird oder sich der Text verschiebt. Dann ist es angenehm, mehrere Ebenen zu nutzen. Aber grundsätzlich zeichne ich am liebsten analog – mit Stift, Feder oder Pinsel auf Papier. 

Wann sind Illustrationen in Magazinen, Zeitschriften oder Jahresberichten ein sinnvolles Gestaltungselement?
Sie können eine gute Alternative zu Fotos sein. Ein Beispiel ist SKILLS, das Kundenmagazin von Iventa, das ich für Egger & Lerch illustriert habe: Die Zeichnungen verpassen dem Magazin einen ganz bestimmten Look und sind ein maßgebliches Stilelement. Außerdem sind die Illustrationen keine reinen Abbildungen: Es geht nicht nur um die Wiedergabe eines Motivs, sondern um Interpretationen der Inhalte oder weiterführende Erklärungen. Ich empfinde mich als Übersetzerin: Ich reichere Textvorlagen oder Beschreibungen einer Idee mit zusätzlichen Aspekten an und bringe sie auf Papier.

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Fotos: © Michael Krebs


Welche Technik haben Sie bei SKILLS angewandt und warum?
Ich habe den Bleistift mit Farbflächen und eingearbeiteten Hintergründen kombiniert. Dadurch entsteht ein schöner Kontrast. Zusätzlich ergänzen Elemente mit Tusche und Aquarell das Bild. Diese vier Bestandteile kann ich unterschiedlich gewichten, das macht die Darstellung lebendig. Außerdem verblassen die Zeichnungen nicht am Rand, sondern münden wie kleine Inseln ins Weiß. So erwecke ich den Eindruck von Gedankenwolken, die sich um den Text ranken und ihn erweitern.

Das alles passt gut zu den Inhalten von Iventa: Die Geschichten im Magazin drehen sich um Konzeption und Strategie, die Themen sind zukunftsorientiert ...
Ja, Text und Illustration zahlen auf denselben Grundgedanken ein. Der Bildrand ist nicht konkret, die Bleistifttechnik trifft auf montierte Computerflächen. Das kann man auch auf den Text übertragen: Das klassische Recruiting wird durch Social Media erweitert und in diesem Rahmen neu gedacht. Auch die Farbwelt – die durch das Logo vorgegeben ist – stützt diesen Zugang. Ich habe eine ganze Palette an kühlen Blau- und Grüntönen zur Auswahl. Durch unterschiedliche Nuancen und Farbintensitäten kann ich Schwerpunkte setzen und das Auge führen, damit die Bildaussage verstanden wird.

Sie haben einen sehr eigenständigen Stil. Wie viel Persönliches bringen Sie in Ihre Illustrationen ein? Und ist das vom Kunden immer gewünscht?
Eine knifflige Frage: Einerseits werde ich genau wegen meines Stils gebucht. Meine Illustrationen dürfen nicht austauschbar sein. Andererseits möchte ich es vermeiden, Unternehmen oder Magazinen meinen Stil aufzudrücken, und komme dem Kunden so gut es geht entgegen. Für mich ist es entscheidend, meinen Stil ständig weiterzuentwickeln. Das führt im Lauf der Zeit von selbst zu Variation.

Was tun Sie, wenn Sie in einem Kreativitätsloch feststecken?
Die erste Lösung ist immer: Weg vom Schreibtisch! Es ist wichtig, sich nicht nur in Gedanken vom Problem zu lösen, sondern den Ort zu wechseln. Ich wohne und arbeite auf einer Insel in der Donau und bin umgeben von Wasser. Wenn nichts mehr weitergeht, schnappe ich mir meine Jacke, gehe ans Wasser und lasse den Blick schweifen. Beim Zurückgehen sehe ich die Dinge meistens anders und habe eine Vorstellung davon, wo es gehakt hat und wie ich weitermachen kann.

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claudia meitert illustration

Claudia Meitert stammt aus Bayern und studierte Kommunikations-Design in Nürnberg und Salamanca/Spanien. Nach Beschäftigungen am Theater im Bereich Bühnenbild, diversen Auslandsaufenthalten sowie Tätigkeiten in Agenturen als Art Director/Senior Art Director ist sie seit 2012 als freiberufliche Illustratorin tätig. Sie lebt und arbeitet in Regensburg. www.claudia-meitert.de