Dr. Inter View: "Ich bin das Salz in jeder Zeitungssuppe"

In fast jeder professionellen Zeitschrift findet man ihn, auch aus Funk und Fernsehen kennt ihn jeder. Und er ist bei jedermann beliebt, weil lebendig, authentisch und interessant: Dr. Inter View, altehrwürdiger und dennoch ewig junger Star der journalistischen Stilformen. Im Gespräch mit dem EGGER & LERCH Report verrät uns Inter View, wie man ihn – auch in Unternehmens- und Non-Profit-Medien – am besten einsetzt und das Beste aus ihm herausholt.

EGGER & LERCH Report: Herr Dr. Inter View, bei welchen Gelegenheiten treten Sie am liebsten auf?

Nun, natürlich immer dort, wo es jemanden persönlich vorzustellen gilt, z. B. neue Mitarbeiter, aber auch Kunden, Partner, Politiker usw. Mich kann man auch einsetzen, wenn es um Sachfragen geht, da könnte ich ruhig öfters auftreten … Ich bin ja schließlich das Salz in jeder Zeitungssuppe.

interview3:

Können Sie ein Beispiel nennen?

Nehmen wir z. B. an, ein Unternehmen stellt ein neues Produkt vor. Da kann z. B. der Produktmanager dazu befragt werden oder ein Pilotkunde. Statt trockener Fakten werden Menschen präsentiert, die hinter dem Produkt stehen.

Rein äußerlich scheinen Sie ein ziemlicher Verwandlungskünstler zu sein …

(lacht kurz) Ja, schon. Manchmal bin ich nur ganz winzig, so 2–4 Fragen lang, quasi ein Anhängsel zu einem längeren Artikel, zur Auflockerung. Und manchmal lang und breit über mehrere Seiten, vor allem, wenn es um wichtige Leute geht.

Und inhaltlich?

... zeige ich mich auch sehr unterschiedlich. Manchmal sehr kontroversiell – aber das kommt in Unternehmens- oder Non-Profit-Zeitschriften eher selten vor –, viel öfter wohlwollend und friedlich. In richtige Zweikämpfe werde ich meist nur im Fernsehen oder im Radio verwickelt.

Wer noch wenig mit Ihnen zu tun gehabt hat, glaubt manchmal, Sie seien etwas schwierig …

Schwierig? WĂĽrde ich jetzt nicht sagen. Man muss nur ein paar Tricks kennen ...

Die da wären?

Zunächst einmal gute Vorbereitung. Je mehr Sie über das „Opfer“ wissen, desto besser können Sie mit ihm sprechen. Lesen Sie möglichst viel, recherchieren Sie im Internet, rufen Sie Bekannte an, machen Sie sich schlau. Und erstellen Sie erst dann eine gut lesbare Frageliste. Für den Anfang übrigens am besten ein, zwei simple Aufwärmfragen, damit man zwanglos ins Gespräch kommt.

Und diese Fragen werden dann der Reihe nach abgespult?

Oh nein, um Gottes willen! Während des Gesprächs sollte man versuchen, möglichst genau zuzuhören und gezielt nachzufragen, wenn ein Thema interessant zu werden beginnt. Ruhig konkret werden, nach Beispielen fragen und nachhaken! Oft kommen die interessanten Aussagen erst, wenn sich das Gegenüber warm geredet hat.

Wie sehen Sie aus, wenn Sie einmal gedruckt sind?

In den meisten Fällen arg gekürzt, muss ich Ihnen sagen. Nur sehr selten werde ich 1 : 1 in voller Länge abgedruckt. Stattdessen sucht sich der Redakteur die besten Passagen heraus und reiht sie sinnvoll aneinander. Die Aufwärmfragen können ohnehin ersatzlos gestrichen werden.

Das heiĂźt, auch die Reihenfolge der Fragen darf durcheinander gewĂĽrfelt werden?

Durchaus, so lange der Sinn nicht entstellt wird, macht mir das gar nichts aus. Die interessantesten Fragen an den Anfang stellen und vielleicht noch eine Pointe fĂĽr den Schluss aufheben, das ist schon in Ordnung.

Und was kommt in den Titel?

Nur eins nicht: „Interview mit Herrn XY“ oder so etwas ähnlich Todlangweiliges. Das ist bestenfalls eine Dachzeile, aber nicht der Haupttitel. Der Haupttitel ist immer die stärkste, wichtigste Aussage des Interviews, unter Anführungszeichen natürlich. Wie z. B. die Headline dieser Doppelseite.

Lassen Sie sich vor dem Druck vom Gesprächspartner genehmigen?

In der Regel schon. Es können sich immer sachliche Fehler oder Missverständnisse einschleichen, die besser vor als nach der Veröffentlichung geklärt werden.

Zum Schluss noch eine heikle Frage: Darf man so etwas wie Sie eigentlich auch erfinden?

Ha, das fragen Sie noch? Was haben Sie denn gerade gemacht? Aber im Ernst: Wenn es um nichts Kontroversielles geht und alle Beteiligten einverstanden sind, ist das schon okay. Pressesprecher erfinden ständig Interviews mit ihren Chefs.

Herr Inter View, vielen Dank für das nette Gespräch.

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