Satzqualität: Auf die Details kommt es an

Was auf den ersten Blick vielleicht als grafisches Meisterwerk erscheint, sollte man sich vor der Beurteilung auch im Detail genauer anschauen: Zeitschriftenlayouts mit Hurenkindern, Schusterjungen, fehlendem Grundlinienraster oder falschen Anführungszeichen sind Alarmzeichen, die mangelndes typografisches Wissen enttarnen.

Kreativität ist gut und schön. Richtig professionell wirkt eine Zeitschrift aber erst dann, wenn sie sauber korrigiert wurde und den Gesetzen der Typografie entspricht. Grobe Schnitzer stören den Lesefluss und sehen überdies hässlich aus. Ein Blick auf die althergebrachten Regeln der (Druck- bzw. Satz-) Kunst ist auch heute noch angebracht. Hier einige Beispiele:

Typosuenden.gif:

Hurenkinder und Schusterjungen Sie fallen sofort ins Auge: ein Schusterjunge ist eine einsam am Spaltenende stehende einzelne Zeile, als Hurenkind bezeichnet man die letzte Zeile eines Absatzes, die schon in die nächste Satzspalte läuft. Ihre auffallenden Bezeichnungen deuten auf die Gewichtigkeit dieser augenfälligen Umbruchfehler hin.

Anführungszeichen Weniger auffallend, aber nicht minder wichtig ist der richtige Einsatz von Anführungszeichen: „99“ und „66“ ist die „Eselsbrücke“, wenn man sich die Anführungszeichen vergrößert als Zahlen vorstellt. Es gibt sie als doppelte Anführungszeichen für „direkte Rede“, und als einfache Anführungszeichen für ,Begriffe‘ und ,Zitate‘ innerhalb der direkten Rede.

Bindestriche Sie verbinden oder trennen Wörter. Das ist aber ihre einzige Aufgabe. Bindestriche stehen jeweils ohne Zwischenraum zum Wort. Von den Bindestrichen unterscheiden sich Gedankenstriche. Sie sind länger und werden nicht nur – im wörtlichen Sinne, so wie hier – als Gedankenstrich innerhalb eines Satzes verwendet, sie können auch „gegen“ (z. B. in Sportberichten, hier wieder mit Abstand: Rapid – Austria) und „bis“ (z. B. bei Zeitangaben, Hausnummern, hier ohne Abstand: 10–12 Uhr) bedeuten. Auch bei Währungsangaben wird, wenn keine Komma-Angaben folgen, der Gedankenstrich verwendet: w25,–. (Der längere Gedankenstrich — doppelt so lang — wird heute nur noch selten eingesetzt.)

Das Grundlinienraster Es wird erst sichtbar, wenn es fehlt: denn dann beginnen die einzelnen Zeilen der Textspalten zu tanzen und der Schriftsatz wird in der horizontalen Linie gebrochen. Das Grundlinienraster ist ein unsichtbares Zeilenraster, das dafür sorgt, dass alle Zeilen auf gleicher Höhe stehen.

Zeilenabstand Wenn der Abstand zwischen den einzelnen Wörtern eines Textes größer als der Zeilenabstand ist, verirren sich die Leser und verlieren sehr leicht die Zeile, was einem Rauswurf aus dem Text gleichkommt. Der „richtige“ Zeilenabstand für Fließtext ist etwa 2–3 Punkt größer als die Schriftgröße.

Spaltenbreite Auch zu breite Spalten erschweren das Lesen. Grundsätzlich gilt: Je breiter die Spalte, umso größer muss der Zeilenabstand sein, damit der Leser der jeweiligen Zeile noch angenehm folgen kann.

Einzüge Einrückungen in der ersten Zeile eines Absatzes sollten nicht zu groß sein. Optimal ist ein Einzug etwa in der Größe des Zeilenabstandes.

Trennungen – oder: „Wie kann Blocksatz flattern?“ Zu viele aufeinanderfolgende Trennungen am Zeilenende machen sogar den Blocksatz flatterig. Daher sollte man sich auf drei aufeinanderfolgende beschränken und die Anzahl der Trennungen auf jeden Fall im Layoutprogramm manuell nachkorrigieren. Trennungen sollten außerdem logisch sein, so wird z. B. Grundli-nienraster auf Grund-linienraster korrigiert. In Titel und Zwischentitel sollte auf Abteilungen ganz verzichtet werden – durch geschickte Wortwahl oder ein paar grafische Handgriffe ist dies immer möglich.

 

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