„I hate Comic Sans“
Dank sei Bob. Seit dem misslungenen Urzeit-Projekt „Bob“ von Microsoft begegnet uns die Comic Sans an den merkwürdigsten Orten. Text: Karin Noichl, Renate Süß
Einige Geschmacksverirrungen überdauern Jahrzehnte. Die kurze Hose in Verbindung mit weißen Socken in Sandalen ist so ein Fall – und die Comic Sans! Ursprünglich sollte die Comic Sans für Sprechblasen zur Benutzerführung durch die Software Microsoft Bob 1994 kreiert werden. Sie wurde für dieses Projekt zu spät fertig, erhielt jedoch kurz darauf einen sicheren Platz im Standardschriften-Repertoire von Windows. Seit dieser totalen Verfügbarkeit taucht sie an den unmöglichsten Orten auf: auf Pfarrballplakaten, Druckereiangeboten, Gewerkschaftsrundbriefen und Friseurwebsites, aber auch auf Taschentuchspendern und Gemüsekonserven.
| Â "The inspiration Vincent Connare, |
Ungeliebt von allen Seiten
Typografen finden die Schriftart schlecht gezeichnet und ausgebaut. Unter Gestaltern ist sie aufgrund ihrer weiten
Verbreitung im nicht-professionellen Bereich verhasst, nicht zuletzt, weil sie häufig unÂüberlegt und unsachgemäß
eingesetzt wird. Unter „bancomicsans.com“ findet man eine köstliche Sammlung kurioser Anwendungsgebiete.
Comic Sans bewegt die Gemüter – mitunter auch sehr leidenschaftlich. „I hate Comic Sans“ ist in diesem
Zusammenhang nicht nur eine persönliche Meinung, sondern vor allem ein Beispiel für eine Gegenbewegung
(siehe unten). Ob dieser Schriftsatz eine großartige Verbesserung darstellt, sei allerdings dahingestellt.
Alternativen gesucht?
Wie man die Sache auch sehen will – kultig oder katastrophal –, man findet jede Menge alternativer Fonts im Web.
Ein schönes und brauchbares Beispiel ist die „Comic Jens“ von Jens Kutilek. Eine Fülle von Comic-Fonts serviert
blambot.com, teils kostenpflichtig, aber durchaus leistbar. Eine generell umfangreiche Schriften-Datenbank
bietet myfonts.com.


