Bildbearbeitung: Fotos, seid ihr noch zu retten?

Zu hell, zu dunkel, zu klein, zu unscharf, zu flau, zu bunt, zu ...: Es gibt ganz schön viele Varianten, wie ein Foto bei der Aufnahme danebengehen kann. Da stellt sich dann die Frage: Welche Fehler lassen sich in der Bildbearbeitung beheben – und wann ist wirklich Hopfen und Malz verloren? Auf den folgenden Seiten lesen Sie, wie EGGER & LERCH nicht nur Erste Hilfe für verunglückte Bilder leistet, sondern Ihre Fotos wahren Schönheitskuren unterzieht.

In einer idealen Welt hätten Sie als Herausgeber, Redakteur oder Layouter einer Zeitschrift ­immer perfektes Bildmaterial zur Verfügung. In der Realität muss man oft ein wenig nachhelfen. Lesen Sie, wie eine professionelle Druckvorstufe – bei EGGER & LERCH in der Person von Dunja Radler – verunglückte Bilder rettet und auch aus mittelmäßigen Daten das Optimum herausholt.

Eines gleich vorneweg: Für einen Experten in der Druckvorstufe ist fast kein Foto auf Anhieb druckreif – Korrekturen sind daher in der Produktion hochwertiger Zeitschriften die Regel, nicht die Ausnahme. Auch perfekte Bilder müssen nämlich für den Vierfarbendruck, der fast nie das ganze Spektrum eines Fotos reproduzieren kann, optimiert werden. Umso mehr gilt diese Regel für mittelmäßiges oder schlechtes Material.

Bunter, bitte!
Flaue Bilder lassen sich fast immer intensiver und kontrastreicher machen. Bei zu starken Veränderungen besteht jedoch die Gefahr, dass durch die Korrektur Farbverläufe „abreißen“, also farbliche Stufen im Bild auftreten. Aber auch übertrieben grelle Fotos – z. B. giftgrüne Wiesen – müssen korrigiert werden. Und offensichtliche Farbstiche sind mit wenigen Mausklicks zu entfernen.
Bei schwierigen Fällen greift der Bildbearbeiter zur „selektiven Farbkorrektur“, etwa um eine im Foto vorkommende Firmenfarbe exakt an die gewünschten Werte anzupassen.
Bei der Farbkorrektur ist heute mehr denn je Erfahrung gefragt: Da die meisten Bilddaten rein digital angeliefert werden, lässt sich manchmal nur erahnen, wie eine bestimmte Farbe in natura ausgesehen hat. Dia oder Papierabzug als Orientierung gibt es ja so gut wie nicht mehr.

Einheitsfarbe im Gesicht
Ein Sonderfall in der Farbkorrektur ist das Thema Hautfarben. Auf einer Personalia- oder Tratsch- und Klatsch-Seite kommen beispielsweise oft Fotos aus unterschiedlichsten Quellen, aufgenommen bei verschiedensten Lichtverhältnissen, zusammen. Jedes Gesicht hat im Originalfoto – selbst wenn alles „Weiße“ sind – einen etwas anderen Farbstich, der auf dem einzelnen Bild gar nicht besonders auffallen würde. Nebeneinandergestellt jedoch sieht der eine zu gelb, der andere zu rot oder gar zu grünlich aus. Die Lösung: Alle Hauttöne werden – innerhalb einer bestimmten Bandbreite – angeglichen, die Seite sieht wieder schön harmonisch aus und alle Abgebildeten dürfen sich über einen frischen, gesunden Teint freuen.

Alltägliche Retuschen
Alltäglich sind inzwischen kleine Retuschen, um unerwünschte Dinge aus dem Bild zu entfernen – ein guter Bildbearbeiter erledigt das ohne lange rückzufragen im Vorbeigehen. Vom Pickel auf der Nase über rote Augen und störende Schlagschatten bei Blitzaufnahmen bis hin zum übersehenen Staubkorn oder einem Kratzer auf der Glasplatte. Auch störende Objetke wie z. B. Leitungsdrähte, Mülltonnen am falschen Platz oder Hilfskonstruktionen bei Produktaufnahmen sind schnell wegretuschiert. Bevor man also großen Aufwand treibt, um die Realität umzubauen oder eine Aufnahme zu wiederholen, sollte man eine digitale Lösung ins Auge fassen. Einfache Retuschen sind bei EGGER & LERCH übrigens im Standardpreis für Prepressleistungen enthalten.

Schärfer, bitte! Glatter, bitte!
Ebenfalls zum Standardablauf in der Bildbearbeitung gehört das digitale Nachschärfen eines Fotos – für den Druck vertragen die meisten Bilder nämlich generell etwas mehr Schärfe als für die Darstellung am Bildschirm. Von Haus aus leicht unscharfe oder etwas verwackelte Bilder werden entsprechend intensiver bearbeitet.
Eine häufige Korrektur betrifft auch das Bildrauschen – das „Korn“ in digitalen Fotos, vor allem bei Aufnahmen mit hohen ISO-Werten. Mit speziellen Filtern lässt sich ein Bild bis zu einem gewissen Grad glätten, ohne dass die Schärfe allzu sehr leidet.

Nicht im Bild: Herr Meier – oder doch?
Sie wollen unbedingt die ganze Firmencrew abbilden, doch beim mühsam arrangierten Gruppenfotoshooting ist Herr Meier leider krank? Auch dieses Problem lässt sich digital lösen. Lassen Sie Herrn Meier unter möglichst ähnlichen Verhältnissen „nachschießen“. Ihn dann digital wieder in die Gruppe aufzunehmen, ist nicht allzu schwierig. Notfalls lässt man ihn einfach in der letzten Reihe zwischen anderen Köpfen hervorlächeln.

AngestĂĽckelt: Mehr vom Hintergrund!
Manche Fotos sind zwar ausgezeichnet, haben aber einfach die falsche Orientierung – formatmäßig, versteht sich: Sie sind z. B. hoch statt quer aufgenommen und passen nicht wie geplant ins Layout. Wenn es um Motive mit vergleichsweise viel und gleichmäßigem Hintergrund geht, haben Sie vielleicht Glück: Himmel, Sand, Meer, Rasen oder Studiohintergründe lassen sich in vielen Fällen digital anstückeln.

Freigestellt: Weg mit dem Hintergrund!
Menschen und Gegenstände, die vor ungünstigem Hintergrund aufgenommen wurden, lassen sich meistens problemlos „freistellen“, d. h. vom Hintergrund trennen. Entweder, um sie auch gleich freigestellt abzubilden oder mit einem anderen Fonds zu kombinieren.

Montagen: Mehr Motive mit Menschen
Besonders langweilige Motive wie z. B. Schriftstücke, Schilder oder Screenshots lassen sich oft aufwerten, indem sie mit Menschen in Verbindung gebracht werden. So lässt sich z. B. ein eigener Bildschirminhalt in das Foto einer Notebook-Benutzerin von einer Bildagentur einbauen – und schon ist er ein lebendiger Blickfang. Auch eine Visitenkarte ist interessanter, wenn sie ein Mensch in Händen hält.

Dummies: Quick and dirty
Für Produkte, Displays oder Verpackungen, die es eigentlich noch gar nicht gibt, kann es sinnvoll sein, ein Dummy oder ein ähnliches Objekt zu fotografieren und es digital fertigzustellen – z. B., indem die Druckdaten dreidimensional ins Bild montiert werden.

Schönes Wetter heute – oder nicht?

Außenaufnahmen stehen und fallen mit dem Wetter. Nur zu dumm, dass sich Petrus oft recht wenig um die Fototermine schert und sich standhaft weigert, zum geplanten Zeitpunkt einen dekorativen blau-weißen Simpsons-Himmel strahlen zu lassen. Noch dümmer, wenn einfach nur das Foto überbelichtet ist und der Himmel trotz schönem Wetter weiß statt blau erscheint. In beiden Fällen gibt es keinen Grund zur Panik: Ein Himmel ist relativ einfach umzufärben oder aus einem anderen Bild zu transplantieren. Allerdings wird das Ergebnis nur dann gut aussehen, wenn die restliche Aufnahme nicht zu düster ist. Aus einem Regen- einen Sonnentag zu machen, ist digital kaum möglich.

Heikle Mission: Kosmetische Eingriffe
Heikel und oft ziemlich aufwendig – sind kosmetische oder gar „chirurgische“ Eingriffe in ein Personenfoto: Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, und digitale Schönheitsoperationen werden auch nur nach Rücksprache durchgeführt: Sollen Fältchen wirklich weggebügelt, Tränensäcke gestrafft, Augenringe übertüncht, graue Haare abgedeckt und fettige Gesichtspartien „nachgepudert“ werden? Technisch ist das alles kein Problem, aber manchmal peinlich und aus der Sicht einer Redaktion längst nicht immer erwünscht.

Nicht alles ist möglich: Hoffnungslose Fälle
In der schönen neuen Fotowelt mag zwar einiges möglich sein, in manchen Fällen sind aber auch Photoshop, Talent und jahrelange Erfahrung machtlos.

  • Häufigster Showstopper ist in dieser Kategorie noch immer die zu geringe Bildauflösung. Sie lässt sich digital zwar etwas hochrechnen, aber aus einem schlechten Handy-Schnappschuss, einem Video-Standbild oder einem von einer Website kopierten Foto lässt sich nun einmal kein halbseitiges Foto in vernĂĽnftiger Druckqualität zaubern. Von nichts kommt nichts – und daher ist eine hohe Bildauflösung einfach durch nichts zu ersetzen.
  • Auch bei massiv fehlbelichteten Fotos ist oft Hopfen und Malz verloren – nämlich dann, wenn z. B. in den hellen oder dunklen Stellen einfach gar keine Zeichnung mehr da ist. Wo nichts ist, kann eine Helligkeits- oder Kontrastkorrektur bestenfalls einen flächigen Farbton einziehen, aber nicht mehr. Oder man muss zur Fotomontage greifen – wie im Beispiel mit dem Himmel beschrieben.
  • Sehr unscharfe bzw. verwackelte Fotos sind kaum zu retten: Die Schärfefilter der Bildbearbeitungsprogramme bemĂĽhen sich zwar redlich, aber die Ergebnisse sind bescheiden. Muss ein solches Foto trotzdem unbedingt erscheinen, sollte es möglichst winzig abgedruckt werden.
  • Passen muss der Bildbearbeiter auch, wenn die Einzelteile fĂĽr eine Montage hinten und vorne nicht kompatibel sind, z. B. was den Lichteinfall, die Farbstimmung oder die Perspektive betrifft.

 


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